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Toxische Männlichkeit muss die zur Verantwortung gezogen werden

„Rambo Zambo“

Wie Friedrich Merz toxische Männlichkeit in Politik ummünzt

Ein Kommentar über Männlichkeitswahn, politische Sprunghaftigkeit und das absurde Selbstbild der Merz-Union

Es gibt Versprecher. Und es gibt bewusst gewählte Worte, die mehr über den Sprecher aussagen, als sie sollten.

„Rambo Zambo“ gehört in die zweite Kategorie.

Am Wahlabend der Bundestagswahl 2025 kündigte Friedrich Merz an, dass man nun mit „Rambo Zambo“ an die Sache herangehen werde. Es blieb nicht bei dieser einen Bemerkung – er benutzte den Begriff mehrfach, als wäre er ein neues politisches Credo. Dabei hätte er eigentlich „Ramba Zamba“ sagen können – eine bekannte Redewendung, die für Tumult und hektische Betriebsamkeit steht. Doch das klang offenbar nicht hart genug, nicht entschlossen genug.

Schließlich endet „Ramba Zamba“ auf „-a“ – und das könnte ja (Gott bewahre!) irgendwie feminin wirken. Also musste eine maskulinere, kriegerischere Version her: „Rambo Zambo“. Ein Kunstbegriff, der sich nach Testosteron und Kampfgeist anhören soll, aber in Wahrheit nur eines ausdrückt – die verzweifelte Inszenierung einer Männlichkeit, die politisch immer weniger zieht.

Die Ironie hinter „Ramba Zamba“

Was Friedrich Merz offenbar nicht bedacht hat: „Ramba Zamba“ bedeutet nicht zielgerichtetes Handeln, sondern vor allem Chaos und Lärm – eine Situation, in der viel getönt wird, aber wenig dabei herauskommt. Und das beschreibt die politische Lage nach der Wahl besser, als es ihm lieb sein dürfte.

Denn während Merz sich als großer Sieger inszenierte, zeigte ein Blick auf die Zahlen ein ganz anderes Bild:

  • Die Union fiel in den letzten vier Wochen vor der Wahl von 32% auf 28%.
  • Die SPD hat sich mit 19,5% ebenfalls nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
  • Die AfD legte fast 10% zu und landete bei knapp 21%.
  • Die Linke schaffte es mit 8,8% überraschend über die 5%-Hürde.

Mit anderen Worten: Die wirklichen Gewinner waren andere. Trotzdem feiern sich Union und SPD nun als das neue Machtzentrum – während die AfD in Regionen Deutschlands stärkste Kraft wurde. Ein echter Grund für „Rambo Zambo“? Wohl kaum.

Sprunghaftigkeit als Prinzip – erst Brüllen, dann Wenden

Doch „Rambo Zambo“ beschreibt nicht nur die groteske Selbstwahrnehmung der CDU nach der Wahl, sondern auch den Stil von Merz selbst. Sein Markenzeichen: Harte Worte vor der Wahl, pragmatische Kehrtwenden danach.

Beispiele? Bitte sehr:

  • Vor der Wahl: Die CDU lehnte strikt die Lockerung der Schuldenbremse ab und versprach eine solide Haushaltspolitik.
  • Nach der Wahl: „Wir nehmen eine Billion Euro Schulden auf.“
  • Vor der Wahl: Die CDU betonte die Bedeutung der nationalen Souveränität in der Verteidigungspolitik. ​
  • Nach der Wahl: Friedrich Merz signalisiert Bereitschaft, Deutschland unter den französischen Atomschirm zu stellen, was eine bedeutende sicherheitspolitische Veränderung darstellt. ​

Dieses Muster zieht sich durch Merz’ gesamte Karriere: Erst der harte Durchgreifer, dann der pragmatische Opportunist. Ein Mann, der sich in jeder Rolle ausprobiert hat – von neoliberaler Wirtschaftshoffnung über abgehängten Dauerkandidaten bis hin zum CDU-Chef, der nicht weiß, wie er das Erbe Angela Merkels verwalten soll.

Männlichkeitsinszenierung als Fassade für Unsicherheit

Und hier kommen wir zum eigentlichen Kern von „Rambo Zambo“: Es ist nicht einfach nur ein schräger Wortmix, sondern Ausdruck eines bestimmten Politikverständnisses.

Männlichkeit war in der Politik lange ein Symbol für Macht und Durchsetzungskraft. Wer sich als „Alpha“ präsentierte, galt als starker Anführer. Doch die Zeiten ändern sich – und mit ihnen die Wirkung dieser Inszenierungen. Was früher als Führungsstärke galt, wirkt heute oft wie ein verzweifelter Versuch, sich eine längst überholte Rolle zu erhalten.

Diese Art von maskuliner Politik zeigt sich weltweit:

  • Macron posiert mit nacktem Oberkörper, um Härte zu demonstrieren.
  • Putin reitet oberkörperfrei auf Pferden, weil er sein eigenes Meme sein will.
  • Trump brüllt sich durch eine Reality-Show-Politik, in der Fakten keine Rolle mehr spielen.

Und Merz? Nun, er braucht ein „Rambo Zambo“, weil „Ramba Zamba“ ihm zu weich klingt.

Doch wahre Stärke sieht anders aus. Wer wirklich sicher in sich selbst ist, muss nicht ständig betonen, wie „hart“ er ist. Wer wirklich souverän ist, hat keine Angst vor einem Wort mit femininer Endung. Und wer wirklich regieren kann, braucht keine hektischen Sprüche, sondern klare Prinzipien.

Wann wird das endlich peinlich?

Die eigentliche Frage ist: Wann wird dieses männliche Machtgehabe einfach nur noch peinlich?

Die gute Nachricht: Immer mehr Menschen durchschauen es. Und vielleicht ist das der beste Umgang mit dieser Art von Politik – nicht nur ihre Widersprüche aufzuzeigen, sondern sie einfach als das zu entlarven, was sie ist: eine Lachnummer.

Merz wollte „Rambo Zambo“? Dann geben wir ihm, was er verdient – eine treffende Beschreibung für eine Politik, die laut und hektisch ist, aber am Ende vor allem eines produziert: Chaos.

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