Mehr als nur gekaufte Liebe – Was wirklich zählt
Jedes Jahr das gleiche Spiel: Rosen, Pralinen, Schmuck, Candle-Light-Dinner. Valentinstag, der große Feiertag der Liebe! Oder eher: der Feiertag der gekauften Erwartung.
Dabei begann dieser Tag ganz anders. Ursprünglich geht der Valentinstag auf einen christlichen Märtyrer namens Valentin zurück, der im 3. Jahrhundert heimlich Liebespaare traute. Eine Geste der Aufrichtigkeit und des Widerstands gegen gesellschaftliche Zwänge – weit entfernt von den heutigen Werbekampagnen, die uns suggerieren, dass Liebe sich in Geschenkpapier einwickeln lässt.
Doch was bedeutet dieser Tag heute noch? Ist er wirklich ein Fest der Liebe oder längst nur noch eine kapitalistische Maschinerie, die uns einredet, dass wahre Zuneigung nur dann zählt, wenn sie in materieller Form ausgedrückt wird?
Kommerzialisierte Romantik – und die Frage nach Ehrlichkeit
Blumenpreise schießen in die Höhe, Restaurants sind überfüllt, Social Media wird mit romantischen Pärchenfotos überschwemmt. Doch warum brauchen wir einen bestimmten Tag, um unsere Zuneigung zu zeigen? Und vor allem: Tun wir es wirklich aus Liebe – oder weil es erwartet wird?
Diese Frage ist nicht trivial. Viele Paare nutzen den Valentinstag, um Versäumnisse auszugleichen: Ein teures Geschenk als Wiedergutmachung für mangelnde Aufmerksamkeit, ein romantisches Date, um Konflikte zu überdecken, ein Strauß Rosen als Versicherung dafür, dass man „alles richtig gemacht hat“. Aber ist das Liebe – oder einfach nur ein gesellschaftlich akzeptierter Handel?
Liebe im Abo-Modell
Wir alle kennen es: Die romantische Geste wird erwartet. Man gibt sich Mühe, weil man „sollte“. Es ist fast wie ein Jahresabo für Zuneigung – einmal im Jahr gibt es Blumen, und damit ist das Thema für viele erledigt. Ein bisschen so, als könnte man sich für 364 Tage ein emotionales Guthaben erkaufen.
Aber was ist mit den anderen 364 Tagen?
- Was ist mit den Tagen, an denen du dich emotional ausgelaugt fühlst und einfach nur eine ehrliche Umarmung brauchst?
- Was ist mit den unausgesprochenen Konflikten, die keine Rose der Welt lösen wird?
- Was ist mit der Frage, ob ihr euch noch wirklich versteht – oder einfach nur nebeneinander herlebt?
Valentinstag ist nicht das Problem – das Problem ist, dass wir oft nicht ehrlich mit uns selbst sind.
Die gekaufte Erwartung – und die unausgesprochenen Deals in Beziehungen
Manchmal ist ein Valentinstagsgeschenk nicht nur eine nette Geste. Manchmal ist es ein unausgesprochener Deal.
💎 „Ich schenke ihr etwas Teures, dann gibt es Sex.“
🛍️ „Ich habe letzte Woche Mist gebaut, also muss ich es wieder gutmachen.“
🎁 „Wenn ich nichts schenke, gibt es Drama.“
Das ist keine Romantik. Das ist ein Handel. Und wenn Beziehungen auf solchen unausgesprochenen Erwartungen basieren, dann sollte das ein Alarmsignal sein.
Gerade Frauen tragen in vielen Beziehungen den mentalen und emotionalen Load: Sie denken an Geburtstage, kümmern sich um Verwandte, merken sich Vorlieben des Partners – aber bekommen sie diese Aufmerksamkeit auch zurück? Und was passiert, wenn der Valentinstag plötzlich zur Wiedergutmachung wird?
„Ich weiß, ich war in letzter Zeit nicht aufmerksam genug, aber hier, ein schöner Strauß Rosen und ein teures Geschenk – alles wieder gut?“
Dieses Muster gibt es nicht nur am Valentinstag, sondern in vielen Beziehungen: Liebe wird als Handel geführt, nicht als echtes Miteinander.
Natürlich gibt es Paare, die sich über Geschenke freuen – das ist völlig in Ordnung! Aber wenn ein Geschenk zur Währung für Zuneigung wird, dann läuft etwas schief.
Valentinstag sollte nicht dazu da sein, sich gegenseitig mit Kompensation zu überschütten. Viel wichtiger wäre es, ehrlich zu fragen:
👉 Brauchen wir wirklich Geschenke – oder brauchen wir Gespräche?
👉 Drücken wir unsere Liebe aus, weil wir es wollen – oder weil wir Angst vor der Reaktion haben, wenn wir es nicht tun?
👉 Sind wir in unserer Beziehung wirklich glücklich – oder lenken wir uns nur ab?
Ein Tag für Gespräche statt Geschenke
Ich selbst feiere keinen Valentinstag. Meine Frau und ich finden ihn überflüssig – nicht, weil wir keine Romantik mögen, sondern weil wir Liebe als etwas sehen, das sich im Alltag zeigt. Nicht durch gekaufte Gesten, sondern durch Achtsamkeit, Respekt und das bewusste Zuhören.
Das bedeutet:
❤️ Wir achten aufeinander – nicht nur an einem bestimmten Datum, sondern das ganze Jahr.
🧡 Wir führen ehrliche Gespräche – auch dann, wenn es unbequem ist.
💛 Wir brauchen keine gekauften Liebesbeweise, weil wir uns täglich zeigen, dass wir einander wichtig sind.
Und das Schöne daran? Ihr braucht keine Blumen. Ihr braucht keine teuren Geschenke.
Aber vielleicht ein gemeinsames Essen, vielleicht sogar mit richtig guten Pralinen zum Dessert. Eine Gelegenheit, euch Zeit füreinander zu nehmen, ein Gespräch zu führen, das euch wirklich weiterbringt. Ohne Zwang, ohne den Druck, Erwartungen zu erfüllen – einfach nur für euch.
Fragen, die wirklich zählen
Wenn du mit deinem Partner oder deiner Partnerin am Valentinstag wirklich ins Gespräch kommen willst, könnten diese Fragen helfen:
- Was bedeutet Liebe für dich – und lebst du das wirklich?
- Fühlst du dich in unserer Beziehung gesehen und gehört?
- Gibt es Dinge, die du dir anders wünschst, die du aber bisher nicht angesprochen hast?
- Welche Werte sind uns beiden wichtig, und leben wir sie im Alltag?
Diese Fragen gehen über den oberflächlichen Valentinstags-Kitsch hinaus und helfen dabei, Beziehungen zu vertiefen.
Liebe ist nicht käuflich – aber Ehrlichkeit ist unbezahlbar
Valentinstag könnte ein wertvoller Tag sein, wenn wir ihn anders nutzen. Nicht als Konsumtag, sondern als Gelegenheit, wirklich hinzusehen.
Also, wenn du an diesem 14. Februar etwas tun willst, dann tu das:
- Nimm dir bewusst Zeit für ein ehrliches Gespräch mit deinem Partner oder deiner Partnerin.
- Fragt euch, was euch wirklich wichtig ist – und ob ihr das auch lebt.
- Nutzt diesen Tag nicht für teure Geschenke, sondern für ehrliche Nähe.
Und wenn ihr danach trotzdem Lust auf Geschenke habt? Dann schenkt euch vielleicht einfach ehrliche Zeit miteinander.
Das ist mehr wert als jede Rose.
Weiterführende Lektüre: „Sei lieb zu deinen Frauen“
Wenn dich diese Themen interessieren, empfehle ich dir mein Buch „Sei lieb zu deinen Frauen“. Es zeigt, wie gesellschaftliche Muster Beziehungen prägen – und warum Ehrlichkeit wichtiger ist als jede romantische Geste.
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